Zu Besuch bei Freundts in Hamburg

Im Keller eines unscheinbaren Bürokomplexes in Hamburg-Groß Borstel befindet sich das Buchstabenlager von Sabine und Yves Freundt – eine Paradies für Typo-Fans.

Tausende alte Lettern aus Blech, Gusseisen, Emaille und Holz, Plexiglas und Kupfer hat das Paar über Jahre mühevoll zusammengesammelt, verkauft einzelne Buchstaben, Worte oder ganze Schriftzüge an Kunden ihres Online-Shops Freundts Wohnaccessoires.

„2004 haben wir angefangen“, erzählt Sabine Freundt. „Wir wollten neben unseren Berufen etwas anderes machen und haben uns gedacht, wir verkaufen einfach Sachen, dir wir schön finden. Yves war schon immer ein Finder, der auf Flohmärkten, in kleinen Läden und an den seltsamsten Orten tolle Dinge entdeckt hat.“

"Alte Buchstaben? Was macht man damit?"

Schnell nahmen die Hamburger neben Gläsern, alten Waagen und Turngeräten auch ausrangierte Profilbuchstaben ins Programm – und füllten damit eine Marktlücke: „Am Anfang wurden wir oft gefragt, was man damit denn machen soll – aber die Nachfrage wuchs und wuchs und mittlerweile haben viele von denen, die sich damals gewundert haben selbst Buchstaben zu Hause hängen. 2004 war das in Deutschland tatsächlich Neuland.“

Heute beliefern die Freundts neben privaten Kunden vor allem Designer, Hotels, Katalog-Shootings, TV-Produktionen und Magazine mit ihren Buchstaben – und haben sogar einen begeisterten Abnehmer in Japan: „Einen Herren, der in Tokio ein Geschäft mit deutschen Sachen betreibt. Der will immer die Umlaute haben. Also schicken wir da hin und wieder Pakete rüber.“

Ständig auf der Suche nach neuen Schätzen

Den Großteil der alten Reklame-Schriftzüge und Buchstaben hat Yves Freundt selbst von den Fassaden leerstehender Cafés, Restaurant, Reisebüros oder Handwerksfirmen abmontiert. Immer wieder ist der Bauingenieur auf der Suche nach neuen Schätzen. Sabine: „Wir haben schon so oft gesagt, unser Lager ist voll – und dann siehst du irgendwas und musst das dann unbedingt noch dazu holen. Das ist fast wie eine Sammlung.“

Mit jedem neuen Fundstück wächst auch die Expertise der Ladenbesitzer: „Spannend ist, dass es tatsächlich auch regionale Unterschiede gibt“, erklärt Yves. „In Amerika sind die Buchstaben klassischerweise aus Emaille gefertigt, die Franzosen haben viel Blech dabei und schweißen an ihre Buchstaben immer so kleine Ösen, mit denen man die Schrift dann an der Fassade befestigen kann. In Deutschland wurden bis in die 40er-Jahre oft schwere Porzellanbuchstaben verwendet, heute vornehmlich Profil-5-Buchstaben aus Alu, Acrylglas und einem Umleimer aus Kunststoff.“

Schöne Profilbuchstaben– eine aussterbende Spezies

Während immer mehr Vintage-Lettern als „Wohnbuchstaben“ eine neue Bestimmung finden, verschwinden hochwertige Reklame-Schriften zunehmend aus dem Stadtbild: „Früher haben kleine Läden und Firmen individuelle Schriftzüge anfertigen lassen und damit gerechnet, dass diese zwei, drei Generationen überdauern – heute wechseln Unternehmen ihre Fonts alle zehn Jahre“, so Yves. Nicht wenige davon landen irgendwann im Buchstabenlager der Freundts.

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Tipp: Freundts' Buchstaben kann man nicht nur online ordern – bei regelmäßigen Lagerverkäufen darf man auch vor Ort durch das Sortiment stöbern. Termine und weitere Infos unter www.freundts.de.

  1. Sabine und Yves Freundt in ihrem Buchstabenlager

    von Johannes Foto: Johannes-Simon Zettel

    2005 ging der Shop von Sabine und Yves Freundt online.

  2. Schriftzüge und alte Medizinbälle von Freundts

    von Johannes Foto: Johannes-Simon Zettel

    Mehr als tausend große und kleine Profilbuchstaben liegen im Lager der Freundts.

  3. Inhaber Yves Freundt mit altem Leuchtschriftzug

    von Johannes Foto: Johannes-Simon Zettel
  4. Alte Neonreklame wird auf Funktionstüchtigkeit geprüft

    von Johannes Foto: Johannes-Simon Zettel

    Ein alter Leuchtbuchstabe wird auf seine Funktionstüchtigkeit geprüft.

  5. Vintage-Buchstaben von Freundts

    von Johannes Foto: Johannes-Simon Zettel
  6. Yves Freundt im Buchstabenlager

    von Johannes Foto: Johannes-Simon Zettel
  7. Buchstabenlager von Freundts in Hamburg

    von Johannes Foto: Johannes-Simon Zettel
  8. Alter "Bäckerei"-Schriftzug von Freundts

    von Johannes Foto: Johannes-Simon Zettel
  9. Zu Besuch im Freundts-Buchstabenlager

    von Johannes Foto: Johannes-Simon Zettel
  10. Leuchtbuchstabe "R"

    von Johannes Foto: Johannes-Simon Zettel
  11. Alte Buchstaben aus Metall

    von Johannes Foto: Johannes-Simon Zettel

    Auch filigrane kleine Buchstaben sind Teil des Sortiments.

  12. 100 Jahre alte Buchstaben-Raritäten

    von Johannes Foto: Johannes-Simon Zettel

    Das "W" stammt von einem alten Gewerbehof in Berlin, ist über 100 Jahre alt.

  13. Zu Besuch bei Freundts in Hamburg

    von Johannes Foto: Johannes-Simon Zettel
  14. "Chip"-Schriftzug im Buchstabenlager

    von Johannes Foto: Johannes-Simon Zettel
  15. Yves und Sabine Freundt

    von Johannes Foto: Johannes-Simon Zettel

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1 Kommentar zu "Zu Besuch bei Freundts in Hamburg"

Anja
Anja

Ich will all die Buchstaben haben!