Interior-Schätze oder Sperrmüll deluxe? Ein Porträt über STILBRUCH

Dienstagmorgen, kurz vor 10 Uhr in einem kleinen Gewerbegebiet in Hamburg-Altona: Auf einem Parkplatz vor einer unauffälligen Halle steht eine Gruppe Menschen und wartet. Nur die orange-schwarzen Werbebanner verraten dem aufmerksamen Beobachter worauf: Wir befinden uns auf dem Gelände einer der beiden Stilbruch-Filialen in Hamburg – und die Menge fiebert der Ladenöffnung entgegen.

Stilbruch: Lieber gebraucht als teuer

Das Tochterunternehmen der Hamburger Stadtreinigung hat es sich zum Ziel gesetzt, gebrauchte Möbel und Hausrat der Sperrmüllabfuhr und der Hamburger Recyclinghöfe der Zweitnutzung zuzuführen. So soll eine kontrollierte Wiederverwendung von Gebrauchtmöbeln ermöglicht werden.

Und so funktioniert’s:
Täglich werden noch brauchbare Gegenstände aus Haushaltsauflösungen und von Hamburger Recyclinghöfen vom Stilbruch-LKW direkt zu den beiden Standorten in Altona und Wandsbek gebracht. Die Sachen werden gesichtet, geprüft, wenn nötig aufgearbeitet und schließlich zum Weiterverkauf angeboten.

Angekauft wird nichts, aber Spenden sind jederzeit herzlich willkommen, sofern die Gebrauchtwaren in gutem Zustand sind. Und das Konzept geht auf: Täglich wechseln vier LKW-Ladungen an Möbeln, Elektrogeräten und Kleinkram den Besitzer. 2016 hat Stilbruch 28.786 m³ Sperrmüll wiederverwendet – insgesamt 400.025 Einzelstücke!
Die durch Stilbruch erwirtschafteten Erträge werden zum einen dafür verwendet, die Sammlungskosten der Sperrmüllabfuhr zu decken. Zum anderen werden die Löhne der mittlerweile 64 Mitarbeiter von den Erlösen gezahlt.

Eine Erfolgsgeschichte mit Sperrmüll

2001 als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gegründet, hat sich Stilbruch mittlerweile zu einem wirtschaftlich selbstständigen Unternehmen gemausert. Viele der Beschäftigten sind ehemalige Langzeitarbeitslose, die durch Stilbruch wieder Fuß fassen konnten. Roman Hottgenroth, Betriebsleiter von Stilbruch, hat als 1 €-Jobber bei Stilbruch angefangen. An diesem Dienstagmorgen gewährt er uns Einblicke in die Stilbruch-Welt.

Flohmarkt-Charme statt Glanz und Gloria

Punkt 10 Uhr öffnen die Tore und die Wartenden erobern die Lagerhalle in der Hoffnung auf Fundstücke und Schätze aller Art. Doch wer Glanz und Prunk erwartet, wird schnell enttäuscht: Vielmehr verströmt das Gebrauchtwaren-Kaufhaus den Charme eines überdachten Flohmarkts. Und wie bei einem „echten“ Flohmarkt, sollte man auch zu einem Stilbruch-Besuch viel Zeit und Neugier mitbringen – denn ein schnelles Kauferlebnis ist bei all der Ware nicht möglich. Hier gilt es: In Ruhe umsehen, die Stücke ganz genau prüfen und mit etwas Glück findet sich der ein oder andere Schatz unter den Massen.

Neugier und Geduld zahlen sich aus

Was den einen resignieren lässt, weckt in anderen das Jagdfieber. Und das kann sich richtig auszahlen: Ein Gemälde, das bei Stilbruch für 45 € ergattert wurde, brachte dem Verkäufer im Auktionshaus rund 20.000 €. Ob Stilbruch-Legende oder nicht: Man munkelt, dass unter den Teppichen schon einmal ein echter Perserteppich zu finden ist, der beim Wiederverkauf ein nettes Sümmchen einbringen kann.

Ein Paradies für Schnäppchenjäger und Sammler

Nicht nur Schnäppchenjäger und gewiefte Händler finden ihr Glück bei Stilbruch: Zu den (Stamm-)Kunden zählen Bücherliebhaber, Antiquitätensammler oder Requisiteure, aber auch viele Bedürftige. Das „Kaufhaus für Modernes von gestern“ ist zu einem beliebten Ausflugsziel für Familien geworden. Täglich besuchen rund 2.800 Kunden die beiden Stilbruch-Filialen und machen sich auf die Suche nach Gebrauchtem aller Art. Und viele werden fündig: Denn das Warenangebot bietet für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas – ganz gleich ob es sich um Möbel, Bücher und Kronleuchter, Vasen, Kinderwagen und Nippes oder sonstige Einrichtungsgegenstände handelt.

„Ich betrachte die LKWs, die hier ankommen, immer als fahrende Schatztruhen – man weiß nie, was man darin findet,“ erzählt Roman Hottgenroth. Stilbruch ist ein wahres Paradies für Sammler und alle, die gern stöbern gehen. Und es wird nie langweilig: Anders als in herkömmlichen Kaufhäusern wechselt das Sortiment täglich.

Wer an einem Tag kein Glück hatte, findet am nächsten Tag vielleicht das langersehnte Möbelstück. Zwischen Relikten fragwürdiger Designepochen und Antiquitäten entdeckt man immer wieder schwedische Bekannte: „IKEA ist ein ständiger Gast bei uns,“ bestätigt Hottgenroth. Wer also nach gebrauchten IKEA-Möbeln sucht, kann bei Stilbruch fündig werden. Doch Fans des echten Retro- und Vintagestils müssen lange suchen, bis sie fündig werden. Bei vielen Stücken braucht es Fantasie und handwerkliches Geschick, um den Sperrmüll in einen Interior-Schatz zu verwandeln.

Noch mehr Stilbruch

Neben den beiden Stilbruch-Filialen bietet die Online-Tausch- und Verschenkbörse auf der Stilbruch-Website eine Plattform für alle, die vermeidlich Nutzloses schnellstmöglich loswerden wollen und für all diejenigen, die auf der Suche nach gebrauchten Gegenständen aller Art sind.

  1. Außenansicht des STILBRUCH Altona

    von Marike Foto: Johannes Zettel
  2. Vintage Funde bei Stilbruch

    von Marike Foto: Johannes Zettel
  3. Vintage Uhr bei Stilbruch

    von Marike Foto: Johannes Zettel
  4. Kuh-Blumentopf mit Mini-Sukkulente

    von Marike Foto: Johannes Zettel
  5. Kunst bei Stilbruch?

    von Marike Foto: Johannes Zettel
  6. Fundstücke bei Stilbruch

    von Marike Foto: Johannes Zettel
  7. Lager von Stilbruch Altona

    von Marike Foto: Johannes Zettel
  8. Qualitätssicherung

    von Marike Foto: Johannes Zettel
  9. Second Hand Homer Simpson

    von Marike Foto: Johannes Zettel
  10. Vom Umtausch augeschlossen

    von Marike Foto: Johannes Zettel
  11. STILBRUCH Hamburg Altona

    von Marike Foto: Johannes Zettel
  12. Second Hand Stühle bei Stilbruch

    von Marike Foto: Johannes Zettel
  13. iPad Frühstücksbrett

    von Marike Foto: Johannes Zettel
  14. Mitarbeiterbereich bei Stilbruch

    von Marike Foto: Johannes Zettel
  15. Das STILBRUCH Hamburg Altona von außen

    von Marike Foto: Johannes Zettel
  16. Kinderfernseher

    von Marike Foto: Johannes Zettel
  17. Fahrräder für Bastler

    von Marike Foto: Johannes Zettel

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